Die Geschichte der Sportart Floorball

Floorball ist eine Teamsportart, die am ehesten als „Eishockey ohne Eis“ beschrieben werden kann. Ein Vergleich mit dem Feldhockey ist nicht sinnvoll, da die nahezu einzige Gemeinsamkeit zwischen Floorball und Hockey ist, dass beide Sportarten mit Schläger und Ball ausgeführt werden. Die Regeln und das Spielfeld sind dem Eishockey wesentlich näher.

Unglücklicherweise gibt es weltweit in einigen Ländern unterschiedliche Namen für Floorball. So heißt die Sportart in den traditionell gewachsenen Floorballnationen Schweden und Finnland Innebandy bzw. Salibandy. In der Schweiz wird Floorball „Unihockey“ genannt. Diese Bezeichnung hatte bis zum Jahr 2009 auch in Deutschland Gültigkeit, da Floorball als „Universalhockey“ – eben Unihockey – angesehen wurde. Hierzulande führte dies jedoch zu Verwechslungen mit dem Hochschulsport/Unisport und dem Feldhockey. Der Deutsche Floorballverband „Floorball Deutschland“ beschloss daher eine Umbenennung der Sportart in die internationale Bezeichnung Floorball.

Ein kurzes Stück Floorball-Geschichte

Floorball ist eine moderne Sportart, mit einer vergleichsweise kurzen Geschichte. Die Ursprünge finden sich in den 1950er Jahren in Minnesota/USA. Dort entwickelte ein Plastikhersteller namens „Cosom Corporation“ leichte Eishockey-Schläger für eine völlig neue Sportart. Mit diesem Plastikschlägern sowie einem Plastikball wurde dann das so genannte „Cosom Hockey“ gespielt.

Daniel Mahnken über die Geschichte des Floorball

Bild aus einem Werbekatalog der Cosom Coporation von 1963. Die Kelle ist hier schon stärker gekrümmt, nicht mehr wie ein Eishockeyschläger an der Unterseite gerade. (Foto: Minnesota Historical Society www.mnhs.org)

Ende der 60er Jahre kam die Sportart nach Europa, wo sie sich zunächst in Schweden, Finnland sowie der Schweiz etablierte. Eishockey-Spieler in diesen Ländern entdeckten damals das Cosom Hockey als Möglichkeit, die eisfreie Zeit im Sommer mit sinnvollem Training zu überbrücken. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Sportart dann zum Floorball in seiner heutigen Form. Die drei nationalen Verbände gründeten schließlich 1986 die International Floorball Federation (IFF). Ihr erster Präsident wurde András Czitrom. Inzwischen gibt es weltweit rund 300.000 registrierte Floorballerinnen und Floorballer in über 4.000 Vereinsmannschaften. Die IFF hat zurzeit 57 nationale Mitgliedsverbände (Stand 2013).

Floorball ist seit 2002 fester Bestandteil der Universiade, der Olympischen Spiele für Studentinnen und Stundeten. Zudem ist Floorball seit 2011 eine anerkannte Sportart des Internationalen Olympischen Komitee (IOC), 2024 soll die Sportart Teil der Olympischen Spiele werden. 2013 war Floorball erstmals als Wettkampf bei den Special Olympics in Pjöngjang/Südkorea vertreten.

In der Regel: Schnellkurs Floorball-Regeln

Im Floorball gibt es zwei Spielfeldvarianten: Großfeld und Kleinfeld. Es befinden sich mind. vier Bullypunkte auf dem Spielfeld. Auf der Mittellinie können zwei Bullypunkte markiert sein, müssen aber nicht. In der Mitte befindet sich ein Mittelpunkt, der für das Bully, den Anstoß, genutzt wird. Neben dem Spielfeld befinden sich zwei Strafbänke, ein Spielsekretariat und zwei Spielerbänke. In beiden Varianten wird hinter dem Tor weitergespielt.

Das Großfeld wird von einer 50cm hohen Bande umschlossen. Das Spielfeld ist 40 m lang und 20 m breit. Pro Mannschaft stehen sich fünf Feldspieler plus Torwart gegenüber. Insgesamt dürfen maximal 20 Spieler je Mannschaft während eines Spiels eingesetzt werden.

Auch das Kleinfeld wird von einer 50 cm hohen Bande umgeben. Das Spielfeld ist allerdings kleiner: Es hat eine Länge von 28 m und eine Breite von 14 m. In dieser Variante, die vor allem in Deutschland, der Schweiz und Österreich gespielt wird, befinden sich zwei Mannschaften bestehend aus drei Feldspielern und einem Torwart auf dem Feld. Hier dürfen insgesamt maximal 14 Spieler je Team eingesetzt werden.

Bei Floorball auf dem Großfeld beträgt die Spielzeit 3 x 20 Minuten. Die Pausen zwischen den Dritteln dauern je 10 Minuten. Da bei dieser Spielvariante eine Vielfalt an taktischen Möglichkeiten besteht, ist regelmäßiges Training durch geschulte Coaches unbedingte Voraussetzung für ambitionierte Großfeldteams. In dieser Spielvariante steht je Spieler die größte Spielfläche zur Verfügung, weshalb insbesondere der Athletik der Spieler eine große Bedeutung zukommt.

Beim Kleinfeld beträgt die Spielzeit in Deutschland 2 x 20 Minuten (Pause 5 Minuten). In den letzten drei Minuten des Spiels wird die Uhr bei Unterbrechungen angehalten. Da bei dieser Variante jedem Spieler 20 % weniger Platz zur Verfügung stehen als auf dem Großfeld, sind die taktischen Möglichkeiten etwas begrenzter und technisch gute Spieler sind im Vorteil. Damen und Herren spielen in regional organisierten Ligen. Diese Variante bietet vor allem kleineren Vereinen, Einsteigern oder auch eher spaßorientierten Gruppen die Möglichkeit, an einem organisierten Spielbetrieb teilzunehmen.

Der Floorballschläger ist in der Regel zweiteilig (Kelle und Stock) und besteht aus Kunststoff. Höherwertige Floorballschläger haben einen konischen Schaft aus kohlefaserverstärktem Kunststoff (mit einer Matrix aus Epoxidharz oder Polyesterharz, meist auch mit Titan, Glasfaser oder Bor verstärkt) haben. Außerdem haben die teureren Schäfte einen feinen Karbonbelag. Die dort angeschraubte Schaufel ist ein Verschleißteil, das aus Thermoplasten im Spritzgussverfahren hergestellt wird. Eine Abschlusskappe sowie ein Griffband vervollständigen den Unihockey-Schläger. Ein solcher Schläger darf laut International Floorball Federation (IFF) nicht länger als 105 cm und nicht schwerer als 380 Gramm sein. Er ist damit wesentlich kürzer als ein Eishockeyschläger. Neuerdings gibt es Firmen, die „Onepiece“-Stöcke entwickelt haben. Dabei handelt es sich um Floorballschläger aus einem Guss, also ohne externe, schraubbare Kelle.

Torhüter tragen gepolsterte Hosen mit Knie- und Schienbeinschützer, einen gepolsterten Brust- und eventuell Oberarmschutz; auch Handschuhe sind erlaubt. Ein Helm mit Gitter muss getragen werden. Im Gegensatz zu den Feldspielern spielt der Goalie ohne Schläger.

Der Spielball ist aus Hartplastik hat einen Durchmesser von 72 mm und besitzt 26 Löcher. Er wiegt nur 23 g, wodurch extrem hohe Schussgeschwindigkeiten (bis zu 205 km/h – dieser Rekord wird von dem finnischen Nationalspieler Otto Tikka gehalten) erreicht werden.

Folgende Regeln sind außerdem zentral:
– Das Ein- und Auswechseln von Spielern erfolgend fliegend, also während des Spiels.
– Der Stock des Gegners darf weder geschlagen, noch blockiert, angehoben, festgehalten oder weggekickt werden.
– Der Ball darf nur mit dem Schläger und einmalig auch mit dem Fuß gespielt werden.
– Der Ball darf aber mit anderen Körperteilen berührt werden. Arm, Hand und Kopf sind allerdings nicht erlaubt.
– Der Schläger darf in der Regeln nicht höher als bis zur Hüfte des Spielers ausschwingen. Befindet sich kein Gegenspieler in der Nähe, darf der Schläger vor dem Körper des Spielers jedoch über Hüfthöhe geschwungen werden.
– Der Ball darf nicht über Kniehöhe gespielt werden.

Situation in Deutschland
Der Floorballverband Deutschland wurde 1992 gegründet. Er ist Mitglied der IFF und seit Dezember 2014 auch Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund.

Floorball ist ein Boom-Sport in Deutschland. Seit 2008 hat sich die Zahl der Spielerinnen und Spieler fast verdoppelt. Zum 1. Januar 2013 zählte Floorball Deutschland mehr als 10000 Aktive, die in rund 200 Vereinen organisiert sind. Nachdem In Deutschland sind knapp 2000 Floorballerinnen aktiv. Im Erwachsenen-Bereich spielen sie in der Bundesliga sowie drei Regionalligen. Die Frauen-Nationalmannschaft gehört zu den Top-8-Nationen der Welt. Der weibliche Nachwuchs spielt in Mixed-Ligen zusammen mit Jungs. In jedem Jahr gibt es aber eine eigene U17 DM nur für Mädchenteams. Diese Förderung zahlt sich aus: 2012 und 2014 holte die Deutsche U19-Damennationalmannschaft Bronze in der B-Division der Weltmeisterschaft in der Slowakei.

Bei den Männern gibt es eine 1. Bundesliga, eine zweigeteilte 2. Bundesliga sowie Regional- und Verbandsligen. Die Herren-Nationalmannschaft erreichte bei der Weltmeisterschaft 2012 in der Schweiz einen sensationellen 4. Platz.

Genug geschrieben! Das ist Floorball…

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