Mari Myllärinen kommt vom finnischen Floorball-Club 02 Jyväskylä und verstärkt das Bonner Damen-Team von Floorballtrainer Daniel Mahnken

Interview: 8 Fragen an Mari Myllärinen…

Please note: An English version can be found on the Floorball Ladies Facebook Page...

Seit dem 13. Dezember 2015 (nein, es war kein Freitag) haben die SSF Dragons Bonn Floorball Ladies ganz offiziell eine neue Spielerin in ihren Reihen. Mari ist bereits seit Oktober in Deutschland und stand uns jetzt für ein etwas längeres Interview zur Verfügung.

Hey Mari, stell‘ dich doch bitte mal kurz vor. Woher kommst?
Mein Name ist Mari Myllärinen und ich komme aus Finnland, genauer gesagt aus einer Stadt namens Joutseno. Heutzutage ist es eigentlich nur ein Teil der nächst größeren Stadt Lappeenranta.

Wie lange spielst du bereits Floorball? Und hast du auch noch andere Hobbies?
Ich spiele Floorball seit ich acht Jahre alt bin, also 14 Jahre insgesamt. Mein erstes Team war Joutsenon Kataja, wo ich mehr als zehn Jahren gespielt habe. Dann bin ich nach Jyväskylä zum Studieren gegangen und habe eine Saison in der 2. Mannschaft von Happee gespielt. In der vergangenen Saison spielte ich dann bei O2 Jyväskylä. In dieser Saison spielt O2 in der höchsten Damen-Liga (Naisten Salibandyliiga) in Finnland. Vor allem im letzten Frühjahr war super Zeit mit diesem Team, weil alle dieses eine Ziel, den Aufstieg, vor Augen hatten und alles dafür gegeben haben. Ich hatte früher auch noch andere Hobbys, wie Fußball und Tanzen, aber irgendwie ist Floorball in meinem Leben schon immer da gewesen und bleibt auch noch lange. Der wichtigste Grund dafür war, dass alle meine besten Freunde spielten und wir so eine gute Zeit zusammen in den Trainings und auch außerhalb der Halle hatten.

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Mari (fast) am Ball, aber vor der Gegnerin!

Von allen Floorball-Clubs, die es in der Region so gibt – warum bist du ausgerechnet in Bonn gelandet?
Ich bin Austauschstudentin an der Deutschen Sporthochschule in Köln und Bonn war ganz einfach die nächste Stadt, wo die Menschen wissen, was Floorball tatsächlich ist. Als ich meinen Austausch plante, war klar, dass ich auf jeden Fall auch weiter Floorball spielen wollte. Anfang 2015 lernte ich Daniel, den Coach der SSF Dragons Bonn, in Finnland kennen. Er besuchte unser Training in Jyväskylä zu der Zeit. Nachdem es sicher war, dass ich nach Köln komme, empfahl mir mein finnischer Coach, Daniel zu kontaktieren. Von ihm bekam ich dann mehr Informationen über die Chance und Möglichkeiten, wie ich meine „Spieler-Karriere“ auch in Deutschland fortsetzen kann. Von den ersten Trainings an, fühlte ich mich sofort willkommen. Ich hatte das Gefühl, das Team in Bonn möchte, dass ich mich wohl fühle und mich ihnen anschließe und das ist ja dann auch passiert.

Und wie gefällt es dir jetzt, nach rund drei Monaten bei den Dragons?
Ich kann nicht viel über den ganzen Verein sagen, dafür kenne ich den Club zu wenig. Aber ich habe das Gefühl, dass die Verantwortlichen bei den Dragons ihre Sache gut machen. Natürlich sind die Möglichkeiten Floorball zu spielen in Bonn ganz anders als in den Städten in Finnland. In Finnland ist es viel einfacher für Clubs die Sporthallen der Städte oder von Schulen zu bekommen. In der Regel sehr spät abends, aber immerhin. In Bonn sind die Möglichkeiten ganz anders: Wir haben noch nicht einmal die Chance bekommen, auf Großfeld zu trainieren. Das ist natürlich schlecht und ich hatte mich eigentlich so sehr darauf gefreut. Aber alles in allem, mag ich die Atmosphäre, die wir in den Trainings haben, sowie meine neuen Teamkollegen (und Trainer natürlich!). Jede Spielerin ist immer besorgt, dass ich alles verstehe, was wir tun werden, und alle Anweisungen werden mir auf Englisch übersetzt, wenn nötig. Vielen Dank für das alles!

Was sind die größten Unterschiede zwischen 02 Jyväskylä und den Dragons Bonn?
Natürlich gibt es einige GROSSE Unterschiede. Zunächst einmal ist es ganz generell das höhere Spiellevel, dass wir in Finnland haben. In der letzten Saison beispielsweise, hatten wir uns das Ziel gesetzt, in die höchste Liga (Naisten Salibandyliiga) aufzusteigen. Alle Spielerinnen waren deshalb wesentlich disziplinierter in den Trainings als hier in Bonn. Aber es geht nicht nur um das Training: wir haben natürlich unseren ganzen Lebensstil diesem hohen Ziel angepasst (zusätzlich Trainingseinheiten in der Freizeit, Ernährungsgewohnkeiten etc.). Außerdem haben wir noch mehr zusätzliche Trainings, also nicht nur Floorball. In den Trainings in Finnland liegt der Fokus hauptsächlich auf mögliche Spielsituationen und wie man sie löst sowie taktische Dinge. Das ist hier natürlich nicht möglich, da wir kein Großfeld-Training haben. Insgesamt nimmt Floorball einen viel größeren Platz im Leben einer Spielerin ein, weil es mehr Trainings, mehr Übungen und viel mehr Spiele gibt als hier in Deutschland. Wir haben in Finnland 28 Liga-Spiele pro Saison.

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Mari am Ball beim Freischlag

Was sind deine Stärken im Floorball?
Nun, in der letzten Saison hat mein Coach immer gesagt, dass ich auf dem Feld immer so aussehe, als würde mich nichts aus der Ruhe bringen und dass ich vor nichts Angst habe. Ich denke, er meinte, eine gewisse „Easy going“-Haltung. Ich glaube, dass meine größten Stärken meine Erfahrung, meine Anpassungsfähigkeit und meine Fähigkeit „das Spiel zu lesen“ sind. Ich war schon immer Verteidigerin und weiß einfach automatisch, wie ich wann wo richtig stehe. Außerdem bin ich eine Offensiv-Verteidigerin, was, soweit ich weiß, genau Daniels Floorball-Philosophie entspricht. Die Bonner Zuschauer werden mich also ziemlich oft vorne und vor dem gegnerischen Tor sehen. Als Teamkollegin feuere ich meine Mitspielerinnen während des Spiels an und hoffe, dass ich ihnen einige nützliche Anweisungen geben kann.

Du wirst in Bonn auch in der Westliga auf dem Kleinfeld spielen. Hast du schon mal auf Kleinfeld gespielt? Was erwartest du?
Ich habe auf Kleinfeld nur im Rahmen des intensiv Parts in unserem Training oder zum Aufwärmen gespielt, aber noch nie ein richtiges Spiel gehabt. Ich glaube, dass Kleinfeld wesentlich anstrengender ist: Alle Spielerinnen müssen schneller sein und immer bereit zu reagieren. Es bleibt viel weniger Zeit und Raum als auf dem Großfeld. Als Spielerin musst du also zu jedem Zeitpunkt einen Plan haben, was du mit dem Ball machst, wenn du ihn bekommst. Ich erwarte harte Spiele, schnelle Bewegungen und arrogante Spielerinnen.

Dein erstes Spiel in Deutschland überhaupt wird gleich ein Heimspiel sein… das Viertelfinale des Stena Line Pokals gegen den deutschen Rekordmeister UHC Weißenfels. Was erwartest du von deinem Team gegen diesen Gegner?
Ich erwarte, dass wir unser Spiel spielen und jede Spielerin alles gibt für ihr Team. Was möglich ist, hängt nicht vom Gegner ab. Es ist immer wieder ein neues Spiel und wir müssen nur bereit und gut vorbereitet sein. Auch wenn es ein Heimspiel ist, sollten wir unseren Fokus nicht so sehr darauf legen, sondern nur auf das Spiel an sich. Dies ist unsere Chance zu zeigen, dass wir Champions sind, wenn wir an uns glauben. Ich jedenfalls glaube an uns!

Vielen Dank, Mari, dass du dir die Zeit für dieses ausführliche Interview genommen hast und nochmals willkommen bei den Dragons!

Das Viertelfinalspiel gegen den UHC Weißenfels findet am Samstag, 16. Januar 2016 im Sportpark Nord statt. Spielbeginn ist 16:00 (also am besten schon 10 Minuten früher da sein 😉 )!